7 Orte gegen das Vergessen

 

An jedem der 7 Orte wird ein Platz von 4 x 4 Metern mit zwei Bänken errichtet, auf denen man verweilen kann. Außerdem wird es eine Stelltafel/Stele geben, auf der kurz die Geschichte dieses Ortes dargestellt wird.

Wo die 7 Orte entstehen...

Eugen-Berl-Platz
- St.Wendel: Stadtzentrum -

Eugen Berl wurde 1870 geboren und war in den zwanziger Jahren einer der führenden Sozialdemokraten in St. Wendel. Er hat das kommunalpolitische Geschehen in Stadt und Kreis über 15 Jahre maßgeblich mitbestimmt.
1936 ergeht ein Urteil des Amtsgerichtes St. Wendel wegen Vergehen gegen das Gesetz zum Schutze des Deutschen Blutes und der Deutschen Ehre. Das Ehepaar ist angeklagt, weil sie weibliche Angehörige deutschen Blutes in ihrem Haushalt beschäftigt hatten. Eugen Berl verstarb bereits während der Hauptverhandlung, seine Frau Erna wurde verurteilt. Eugen Berl war der letzte Jude, der in St. Wendel beerdigt wurde.
Seine Frau Erna Berl wurde 1940 nach Gurs deportiert und 1942 nach Auschwitz überführt. Seitdem gilt sie als verschollen. Ihr Todestag wurde amtlich auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.
Der Sohn von Erna und Eugen Berl mit dem Namen Fritz konnte noch 1939 emigrieren. Er lebt heute in Israel.

Ort gegen das Vergessen
- St.Wendel: Panoramaweg -

Dieser Platz soll stellvertretend an die lange Geschichte des jüdischen Lebens im Landkreis St. Wendel, sowie seine Kultur und Religion erinnern und sie im Bewusstsein der Bewohner und in der Region verankern.

Harry-Schu-Platz
- Oberthal: Am Radweg (Ecke KirchStraße) -


Familie Schu lebte mit ihren beiden Kindern Henny-Ruth (geb. 29.05.26) und Harry (geb. 19.08.23) in Oberthal. Die Kinder waren "Halbjuden". Henny-Ruth floh 1938 nach Amerika wo sie in Freiheit leben konnte. Harry Schu musste obwohl er ein fleißiger, beliebter Schüler war, das Gymnasium in Sankt Wendel nach der Obertertia verlassen. Nach dem Besuch der jüdischen Lehrwerkstatt in München fand er für kurze Zeit Arbeit in der Installationsfirma Blaumayerin in Sankt Wendel, sodass er kaum noch zu Hause war. Danach verlieren sich seine Spuren. Es ist jedoch bekannt, dass er beim Versuch Deutschland über die schweizer Grenze zu verlassen verhaftet und zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Am 25. Mai 1942 wurde er vom Saarbrücker Gefängnis dem Konzentrationslager Dachau überstellt, später wieder nach Saarbrücken gebracht und von dort am 6. August 1942 zum Gerichtsgefängnis Zweibrücken überwiesen. Nach der schriftlichen Anzeige der Staatspolizeistelle München kam er am 14. November 1942 im KZ zu Tode - durch eine Lungenentzündung. Die Todesnachricht wurde am 27. November 1942 mit der Bestätigung der Einäscherung im Krematorium in Dachau mitgeteilt. Helene Schu konnte sich mit Hilfe der Nachbarn und Freunde noch einige Zeit vorm Zugriff der GESTAPO entziehen, wurde jedoch am 8. März 1945 ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort meldete sie sich freiwillig zur Pflege der Thyphuskranken. Sie infizierte sich und verstarb am 25. Mai in Folge der Erkrankung.

Änne-Meier-Platz
- Baltersweiler: Dorfplatz -


An Änne Meier wird deutlich, dass auch ganz "einfache Leute" Widerstand leisteten gegen Diktatur und Unterdrückung. Am 3. Januar 1896 wurde Änne bzw. Anna Meier als fünftes von sieben Kindern in Baltersweiler geboren. Im Beruf als Fürsorgerin kümmerte sie sich um bedürftige Familien, half Kranken, Behinderten und Menschen in finanzieller Not. Aufgrund ihrer religiösen katholischen Orientierung erkannte sie früh die Gefahren des Nationalsozialismus, verweigerte Zeit ihres Lebens den Hitler-Gruß und entschied sich trotz massivem Drucks, den NS-Verbänden nicht beizutreten.
Ihre Haltung und ihr couragierter Einsatz für Menschlichkeit und Gerechtigkeit führten dazu, dass sie 1942 ohne Prozess und Verurteilung "wegen fanatischen Einsatzes für die katholische Bewegung" und Verbreitung von "Hetzbriefen" ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert wurde.
Änne Meier überlebte KZ, Todesmarsch und Befreiung und zeigte Zivilcourage bis ins hohe Alter.

Lotte-Koschelnik-Platz
- Sötern: Marktplatz -

1942/43 war das Jahr des grausamen Schicksals der Familie Koschelnik. Kurz bevor man sie abführte, gab sie ihrer Freundin eine Puppe. Sie meinte, sie solle sie aufbewahren, bis sie wieder zurückkommen würde, denn den Kindern wurde verheimlicht, dass sie ins KZ kamen. Sie wussten in diesem Moment nicht, was ihnen geschieht.
Lotte, damals 13 Jahre alt, wurde mit ihrer Mutter Johanna Hedwig Koschelnik und ihrem Bruder Friedrich 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.
Die Spur ihrer Schwester verlor sich bereits ein Jahr zuvor im Konzentrationslager Riga. Der Ehemann Isaak Koschelnik flüchtete bereits 1939 nach Shanghai. Einige Zeit später wollte er seine Familie nachholen, doch dazu kam es nicht mehr.

Raimund-Hirsch-Platz
- Gonnesweiler:  Rundweg Bostalsee (Ecke Seestraße) -

Ludwig und Flora Hirsch wurden mit ihrem 8-jährigen Sohn Raimund im April 1942 verschleppt und sind in Lublin verschollen. Die Großeltern Josef und Charlotte Kahn wurden noch im gleichen Jahr im KZ Theresienstadt ermordet.

Walter-Sender-Platz
- Tholey: vor jüdischem Friedhof -

Dr. Walter Sender gehörte in der schwierigen Zeit von 1920 - 1955 zu den zeitweilig führendsten politischen Persönlichkeiten der Saargegend.
Geboren am 10.05.1885 in Tholey, zog er nach Ende des 1. Weltkrieges als Rechtsanwalt nach Saarbrücken und begann dort seine politische Tätigkeit als Sozialdemokrat. 1925 war es Walter Sender, der als einer der ersten vor der Gefahr des Nationalsozialismus warnte. Im Abstimmungskampf 1934/35 unterstützte er als einer der Hauptredner der SPD die Politik des Status Quo, also eine Aufschiebung des Anschlusses des Saargebietes bis zu einer Zeit, in der wieder demokratische Verhältnisse herrschten.
Walter Sender überschritt am Abend des Wahltages mit seiner Frau und seinen beiden Kindern die Grenze bei Forbach. Bis zum Kriegsausbruch lebte er als Fabrikant bei Paris und zog sich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in ein Versteck in den Bergen bei Nizza in Südfrankreich zurück. Nur so konnte er als Jude der Verfolgung durch deutsche und französische Faschisten überleben.

 

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