Kaiser-Friedrich-Ring 31: Familie Cahn

"Ich war sieben Jahre alt. Ich kann mich noch gut an ihn erinnern. Gütig, immer gütig. In der Familie von uns war nie ein böses Wort." - Ursula Ziegert über Leo Cahn am 18.01.2011

Die jüdische Kaufmannsfamilie Cahn war im 19. Jahrhundert durch Vieh- und Pferdehandel zu Wohlstand gekommen. 1901/02 errichtete sie ein stattliches Haus mit Ställen und Remisen.

Leo Cahn (gab. 1867), verheiratet mit Emilie genannt Julie Friebourg (geb. 1874), ist das Oberhaupt der Familie und Mitglied der jüdischen Gemeinde. In der Pogromnacht 1938 wird die Wohnung der Cahns verwüstet. Leo Cahn wird misshandelt, seine Frau sowie die Witwe seines Bruders, Leonie Kahn, werden verhöhnt und gedemütigt. Leo Cahn kommt kurzfristig in das KZ Dachau und muss das Haus für einen Spottpreis auf den Druck der NSDAP-Kreisleitung an den Landkreis verkaufen.

Leo und Julie verlassen Saarlouis und begeben sich nach Amsterdam. Leonie emigriert nach Frankreich. Sie wird nach Theresienstadt deportiert und im KZ Treblinka 1942 ermordet. Leo Cahn und seine Frau Julie werden über das Sammellager Westerbork in das Vernichtungslager Sobibor gebracht und zusammen mit 33.000 niederländischen Juden 1943 ermordet.

An dieser Stelle wurde außerdem ein Stolperstein für Dr. Ludwig Wolff verlegt. Inforamtionen dazu finden Sie hier: Link

Aussage der Zeugin E., wohnhaft in Saarlouis:
„Zur Zeit der Judenaktion wohnte meine Familie im Haus Cahn … Mein Weg führte mich über den oberen Markt, wo ich einen großen Menschenauflauf sah. Plötzlich hörte ich, wie eine größere Menschenmenge rief: 'Jetzt zu den Juden Cahn'. (…) Ich sah sofort, dass sich eine Menge Menschen, grob geschätzt etwa 60-70 Personen, in den Räumen aufhielten. Als erste der Eindringlinge sah ich die Frau B. Sie stand im Hauseingang vor der Abschlusstür und schwenkte einen Mob … Sie machte ein zynisches Gesicht und es sah so aus, als ob sie jeden Augenblick dreinschlagen wollte. (…) 'Los!', dies war offensichtlich das Signal für die Eindringlinge, um alles zu zerschlagen.“

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